
Was macht eigentlich Luki Dietrich?
HiM lebt von seiner langen Geschichte, vielen unvergesslichen Momenten und den Menschen, die den Verein geprägt haben. In einer neuen Interviewreihe begeben sich die FSJler Pauline Müllerschön und Emil Schott auf eine spannende Reise durch die Vergangenheit und Gegenwart der Abteilung. Dabei sprechen sie mit ehemaligen Handballerinnen und Handballern über ihre schönsten Erinnerungen, besondere Erfolge, prägende Herausforderungen und die Entwicklung des Handballs im Verein. Freut Euch auf persönliche Geschichten, interessante Einblicke und spannende Begegnungen mit den Gesichtern, die unsere Handballabteilung über viele Jahre hinweg mitgestaltet haben – die Veröffentlichung erfolgt immer am 19. des Monats.
Dieses Mal im Interview: Lukas Dietrich, lange Jahre Spieler der Männer 1 im HiM, heute Spieler der HSG Konstanz in der 3. Bundesliga.
- Wenn du an deine Anfänge in Mössingen zurückdenkst: Welches Spiel oder welcher Moment in der Steinlachhalle ist dir bis heute am lebendigsten in Erinnerung geblieben?
„Ein ganz besonderer Moment war natürlich das Spiel gegen Herrenberg in der Steinlachhalle während der Corona-Zeit. Das war eine sehr prägende Situation und ein Spiel, das mir bis heute sehr im Kopf geblieben ist. Und natürlich war auch der Aufstieg in die Verbandsliga mit so vielen Zuschauern etwas ganz Besonderes. Diese Atmosphäre und Emotionen werde ich nicht so schnell vergessen.“
- Gibt es Rituale, Traditionen oder Personen aus deiner Mössinger Zeit, die dich als Handballer besonders geprägt haben?
„Meine Rituale sind im Grunde über die Jahre gleich geblieben. Ich habe bis heute dieselbe Aufwärm-Routine, die ich vor jedem Spiel brauche und die für mich einfach dazugehört. Ansonsten bin ich bei Ritualen gar nicht so extrem. Ich freue mich wie in Mössingen einfach sehr auf die Spiele und lass alles auf mich zukommen.“
- Verfolgst du die Mössinger Spiele noch regelmäßig - und gibt es noch einen "heißen Draht" zu ehemaligen Mitspielern oder Trainern?
„Ja, auf jeden Fall. Ich schaue immer wieder, wie Mössingen aktuell in der Tabelle steht, wie die Spiele gelaufen sind und wer wie viele Tore geworfen hat. Außerdem habe ich nach wie vor Kontakt zu Michi Tröster, zu meinem Kollegen Roman Midinet und schreibe hin und wieder auch noch mit ehemaligen Mitspielern. Mössingen ist für mich also nach wie vor präsent.“
- Nach Mössingen ging es für dich zum VfL Pfullingen: Wie groß war damals die sportliche und mentale Umstellung auf dieses Leistungsniveau?
„Der sportliche Sprung war schon sehr groß. Man merkt sofort, dass vieles deutlich professioneller abläuft und man ganz andere Strukturen und Abläufe kennenlernt. Gleichzeitig ist es natürlich etwas Besonderes, neue Gegner, neue Hallen und neue Mannschaften zu erleben.“
„Auch die sportlichen Anforderungen waren deutlich höher und sehr anspruchsvoll. Aber genau das hatte natürlich auch viele positive Seiten, weil ich persönlich enorm gefördert wurde und der Handball noch einmal viel stärker in den Mittelpunkt gerückt ist.“
- Konstanz am Bodensee bringt eine enorme Handballbegeisterung mit sich. Wie unterscheidet sich die Atmosphäre in der Schänzle-Hölle von der Stimmung im heimischen Bezirk Achalm-Nagold?
„Die Schänzle Sporthalle Konstanz hat, wenn sie gut gefüllt ist, schon eine beeindruckende Atmosphäre. Mit dem gesamten professionellen Aufbau ist es etwas ganz Besonderes, dort zu spielen. Auch die Fans sind ähnlich wie in Mössingen: sehr treu, laut und leidenschaftlich.“
„Vielleicht ist es noch einmal ein kleines Upgrade, aber die Steinlachhalle und ihre besondere Atmosphäre werde ich natürlich nie vergessen.“
- Gegen welchen Gegenspieler war es bisher am anstrengendsten zu verteidigen bzw. durchzukommen?
„Einen bestimmten Gegenspieler kann ich gar nicht direkt nennen. Als Außenspieler habe ich oft weniger direkten Kontakt zu einem einzelnen Gegenspieler – für mich sind eher die Torhüter eine besondere Herausforderung.“
„Gerade in der 3. Liga sind die Torhüter grundsätzlich auf einem sehr hohen Niveau. Man muss sich immer wieder auf unterschiedliche Torhüter einstellen und sein Spiel entsprechend anpassen. Einen einzelnen Spieler, der für mich besonders anstrengend war, könnte ich deshalb nicht nennen.“
- Wenn du den 18-jährigen Luki aus Mössinger Tagen mit dem heutigen Spieler vergleichst: In welchem Bereich bist du am meisten gereift?
„Ich bin mental auf jeden Fall deutlich stärker geworden. Ich habe gelernt, mit größeren Drucksituationen umzugehen und auch ein noch besseres Verständnis für eine Mannschaft und das Zusammenspiel zu entwickeln.“
„Gerade durch meine Vereinswechsel habe ich auch sehr viel für mein Berufsleben mitgenommen. Themen wie Teamfähigkeit, Verantwortung und der Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeiten spielen nicht nur im Handball eine große Rolle. Ich würde sagen, dass sich vor allem meine Teamfähigkeit und mein Umgang mit Drucksituationen deutlich weiterentwickelt haben.“
- Wie meisterst du den Spagat zwischen Leistungssport, Reisen und Privatleben abseits der Halle?
„Natürlich bleibt nicht besonders viel Zeit für private Dinge, weil ich Vollzeit arbeite und wir gleichzeitig jeden Tag trainieren. Trotzdem sehe ich das eher als Privileg. Ich kann mein Hobby auf einem sehr hohen Niveau ausüben und habe unglaublich viel Spaß daran – für mich ist der Handball also auch ein großer Teil meiner Freizeit.“
„Natürlich kann es anstrengend werden, wenn der Alltag sehr voll ist und private Dinge manchmal zu kurz kommen. Aber am Ende des Tages sehe ich es eher als Vorteil als als Nachteil. Bei mir ist immer etwas los, und ich kann abends ins Bett gehen mit dem Gefühl, den Tag sinnvoll genutzt und alles gegeben zu haben.“
- Gibt es eine Niederlage oder eine schwierige Phase in deiner Karriere, aus der du im Nachhinein am meisten gelernt hast?
„Eine einzelne, besonders schwierige Phase gab es bei mir bisher eigentlich nicht. Natürlich gab es Niederlagen und Rückschläge, aber aus jeder Niederlage habe ich versucht, etwas mitzunehmen und neue Schlüsse zu ziehen.“
„Bisher ging es für mich, auch was meine Wechsel und meine sportliche Entwicklung angeht, eigentlich immer bergauf. Ich habe mich selbst immer viel analysiert und versucht, aus schwierigen Situationen etwas Positives mitzunehmen und mich dadurch weiterzuentwickeln.“
- Welche sportlichen Ziele hast du dir für die nähere Zukunft noch ganz oben auf den Zettel geschrieben?
„Dadurch, dass ich jetzt in der 3. Bundesliga spiele, habe ich mir schon einen riesengroßen Traum erfüllt. Deshalb bin ich in meiner jetzigen Situation sehr glücklich und versuche, einfach das Beste daraus zu machen. In Konstanz trainiere ich so viel wie noch nie und versuche auch dort, das Maximale aus mir herauszuholen. Was sich daraus in Zukunft ergibt, wird man dann sehen.“
„Ein kleiner Traum wäre natürlich, einmal eine Aufstiegsrunde mitspielen zu können, gerade weil die Stimmung in Konstanz bei solchen Spielen immer herausragend ist. Und auch einmal beim DHB-Pokal dabei zu sein, wäre definitiv etwas Besonderes“
- Was würdest du jungen Mössinger Nachwuchstalenten raten, die denselben Traum haben und den Sprung in höhere Ligen schaffen wollen?
„Im wahrsten Sinne des Wortes: am Ball bleiben. Immer trainieren, immer das machen, was der Trainer verlangt – und im besten Fall sogar noch etwas mehr. Man braucht einfach hundertprozentige Leidenschaft für den Sport.“
„Mir hat es auch sehr geholfen, dass ich als Jugendlicher immer bei den aktiven Mannschaften zugeschaut habe. Das war eine große Inspiration für mich und ich habe allein durchs Zuschauen sehr viel über Handball gelernt. Deshalb würde ich jungen Spielern auch raten, sich Spiele anzuschauen und von anderen zu lernen.“
„Mössingen ist dafür ein super Verein. Am Ende gilt: immer alles geben, Spaß am Sport behalten und dranbleiben – dann wird sich der eigene Weg ergeben.“
- Was möchtest du der Mössinger Handballfamilie und den Fans zum Abschluss noch direkt mit auf den Weg geben?
„Ich bin Mössingen unendlich dankbar für alles, was mir der Verein damals ermöglicht hat. Ich habe unglaublich viel Vertrauen von meinen Trainern bekommen. Angefangen bei Flo Seidel, der mich überhaupt zum Handball gebracht hat, über meinen großen Bruder, der mich als Erstes trainiert hat, bis hin zu Michi Tröster.“
„Michi hat mir damals hundertprozentiges Vertrauen geschenkt, früh auf mich gesetzt und mich aus der A-Jugend hochgezogen. Dadurch konnte ich Schritt für Schritt meinen Weg gehen und mich so entwickeln, wie ich es letztendlich getan habe. Ohne diese Unterstützung wäre vieles vermutlich nicht möglich gewesen.“
„Auch die Halle und die Fans in Mössingen sind etwas ganz Besonderes. Sie haben es mir immer leicht gemacht, meine Freude und meine Leidenschaft für den Handball auszuleben. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.“
Lieber Luki, vielen Dank für das Gespräch!